Aus dem Magazin

NARS - Charlotte Gainsbourg

Die Sängerin und Schauspielerin Charlotte Gainsbourg entwarf für Nars eine Kosmetikkollektion.

Charlotte Gainsbourg, wie sind Sie vorgegangen, um für die französische Kosmetikmarke Nars eine Linie zu kreieren?

CHARLOTTE GAINSBOURG
François Nars gab mir ein gutes Gefühl, ich konnte alles tun, was ich wollte, solange es von mir kam und persönlich war. Also erdachte ich eine Kollektion rund um meine eigenen Bedürfnisse herum. Ich konnte nicht etwas machen, was mir nicht entsprach, also mussten die Sachen natürlich sein. Und die Farben durften nicht zu grell ausfallen.

Was hat Ihnen am meisten Spass gemacht?

CHARLOTTE GAINSBOURG
Die Produkte zu benennen, war lustig. Ich liess dafür Wörter aus mir heraussprudeln. Die Namen sind inspiriert von meiner Vergangenheit; Visionen, Emotionen und Ortschaften oder auch Strassen.

Wie lange brauchen Sie im Badezimmer, bevor Sie aus dem Haus gehen?

CHARLOTTE GAINSBOURG
Es dauert gar nicht lange (lacht). Es muss auch immer schnell gehen, bevor ich losrenne. Ich mache ein paar kleine Handgriffe, tupfe zum Beispiel ein bisschen Concealer gegen dunkle Augenringe auf, wenn ich wenig geschlafen habe. Für Auftritte auf dem roten Teppich dauerts selbstverständlich etwas länger.

Was bedeutet für Sie Schönheit?

CHARLOTTE GAINSBOURG
Schönheit hat keine Definition, das ist das Schöne daran.

Wie sehr hilft Ihnen Make-up, um in eine Rolle einzutauchen?

CHARLOTTE GAINSBOURG
Es ist auf jeden Fall ein Werkzeug. Mit Rot etwa lässt sich ein verweintes Gesicht schminken. Ich mag es, wenn man nicht perfekt aussieht. Im letzten Film, in dem ich mitspielte, «La promesse de l’aube», veränderte das Makeup mein Gesicht komplett. Es geht darin um den grossen französischen Schriftsteller Romain Gary und die Beziehung zu seiner Mutter. Ich verkörperte die Mutter, von seiner Kindheit bis zu seinem Tod. Ich musste Lippenstift tragen, was meinem Gesicht einen ganz anderen Ausdruck gab. Die grösste Veränderung erzielten die Maskenbildner für das fortgeschrittene Alter. Dies stellte eine Herausforderung für mich dar, aber es ist immer gut, aus der Komfortzone herauszutreten.

Ihr Beautygeheimnis?

CHARLOTTE GAINSBOURG
Ehrlich, ich habe keines. Was ich seit Jahren praktiziere, ist, das Gesicht zu waschen und die Haut gründlich zu reinigen.

Was hält Sie jung?

CHARLOTTE GAINSBOURG
Meine Familie.

Was haben Sie immer in Ihrer Handtasche dabei?

CHARLOTTE GAINSBOURG
Lippenpomade.

Sie haben drei Kinder. Hat sich Ihre  Beautyroutine seither geändert?

CHARLOTTE GAINSBOURG
Sie hat sich verändert, weil ich älter wurde. Mit zwanzig verwendete ich gar keine Schminke. Heute schrecke ich vor Lippenstift nicht mehr zurück. Irgendwann kennt man seine Haut und weiss, was einem steht.

Ihr liebstes Stück im Kleiderschrank?

CHARLOTTE GAINSBOURG
Ich tendiere dazu, immer das Gleiche zu tragen – fast wie eine Uniform. Einer meiner Favoriten ist ein Paar Jeans von Notify, ich trage sie seit Jahren. Und obwohl ich viele Hosen besitze, ziehe ich letztlich immer dieselbe an.

Ihre Mutter Jane Birkin war eine StilIkone. Was hat Sie Ihnen punkto Stil beigebracht?

CHARLOTTE GAINSBOURG
Bezüglich Make­up riet sie mir, nicht zu viel aufzutragen. Ihr Credo: Sich selbst treu zu bleiben. Sie findet es schade, dass sie in den Sechzigern viel zu viel Make­up auflegte und alle Mädchen gleich aussahen – alle hatten schwarz geschminkte Augen.

Gibt es eine Traumrolle, die Sie gern spielen würden?

CHARLOTTE GAINSBOURG
Zu jedem Film, in dem ich mitgewirkt habe, kam es durch glückliche Zufälle. Manchmal traf ich jemanden, oder ein grossartiges Drehbuch fiel mir in die Hände. Im Moment weiss ich gerade nicht, was als Nächstes kommen wird, ich habe nichts Attraktives gefunden. Es ist sehr schwierig, an etwas wirklich Interessantes zu geraten. Gute Angebote kommen nicht oft.

Was möchten Sie noch erreichen?

CHARLOTTE GAINSBOURG
Ziele ändern ständig, ist das nicht bei allen so? Ich würde gern weiterhin schauspielen. Weiterhin Neues entdecken und reisen. Aber das Wichtigste: Ich möchte weiterhin ich selbst bleiben.

Interview: Nina Huber

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