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Homestory

Blüemlisex

In der Pandemie hat Ulrike Krucker ihre Liebe zum Gärtnern (wieder-)entdeckt. Daraus ist das Slow-Flower-Unternehmen «Blüemlisex» entstanden. Mit ihrem Mann teilt sie sich ein Atelier in Zürich.

Im Zürcher Stadtteil Albisrieden haben Ulrike Krucker und ihr Mann Bruno eine Bürofläche zu einem loftähnlichen Atelier umgebaut. In den grosszügigen und lichtdurchfluteten Räumen fliessen Arbeit und Wohnen harmonisch ineinander über und lassen genügend Platz für Kreativität. Ein besonderer Ort, der viel Wärme und Sinn für Ästhetik ausstrahlt. «Für mich darf es alles sein – ausser gewöhnlich», erzählt Ulrike Krucker, als sie uns in ihrem Blumenatelier empfängt. Bereits früher hatte sie einmal in einem ehemaligen Architektenatelier in Gockhausen gewohnt, ebenso in einem alten Bauernhaus, eine Zeit lang sogar in ihrem Vintageladen. Diese Passion für das Unkonventionelle spiegelt sich auch in ihrem Blumenbusiness wider: Mit «Blüemlisex» hat sie nicht nur einen eingängigen Namen gefunden, sondern ein Herzensprojekt, mit dem sie Blumen nach dem Slow-Flower-Prinzip selbst anbaut und anbietet. Die Schnittblumen stammen alle aus dem eigenen Garten im Kanton Thurgau, wo sie auf natürliche Weise mit viel Geduld und Feingefühl gesät und gepflegt werden. Im Interview erzählt Ulrike, wie sie als Texterin zu den Blumen fand – oder umgekehrt. Wir befinden uns hier in einem loftähnlichen Atelier, wie sind Sie dazu gekommen?

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Slow-Flower-Bewegung: Alle Schnittblumen stammen aus dem eigenen Garten im Kanton Thurgau. (4er-Set Vasen: Polspotten)

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Natur pur: Bei Blüemlisex findet man eine bunte Mischkultur, die in natürlicher Kreislaufwirtschaft gedeihen darf.

ULRIKE KRUCKER: Mein Mann suchte ein neues Atelier für sein Architekturbüro und hatte diese Fläche gefunden, allerdings war sie zu gross für seine Zwecke. Erst wollte er sie untervermieten, aber dann haben wir uns so in diesen Raum verliebt, dass wir sagten, wir nutzen ihn selbst. 

Haben Sie viel selbst verändert? 

UK: Wir haben Wände herausgenommen und noch eine Dusche sowie die Küche eingebaut.

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Wohnatelier: Die Einrichtung ist grösstenteils ein Mix aus Brockenhaus- und Flohmarktfunden.

Was war der ausschlaggebende Punkt, dass Sie hier einziehen wollten?

UK: Mir gefiel, dass der Ort aussergewöhnlich ist. Ich habe nie in klassischen Wohnungen gelebt, und hier mag ich die grosszügigen Räume und die hohen Decken. Das genaue Gegenteil von unserem Haus auf dem Land.

Was brauchen Sie, um sich wohlzufühlen?

UK: Eigentlich gar nicht viel, nur Ruhe ist mir sehr wichtig. Deshalb taste ich mich wahrscheinlich auch immer mehr von der Stadt aufs Land vor.

Wo verbringen Sie Ihre Zeit an freien Tagen?

UK: Als Gärtnerin hat man eigentlich nie frei. (lacht) Nein, wenn ich weder im Garten auf dem Land noch in Zürich bin, dann am liebsten in den Bergen, da machen wir gerne hochalpine Touren, aber das kommt leider zurzeit ein bisschen zu kurz.

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Passend gemacht: Ehemann Bruno Krucker, Inhaber von Büro Krucker Architekten, hat das Atelier selbst passend um- und ausgebaut.

Ich bin eigentlich immer auf der Pirsch nach Wohnschätzen.
Ulrike Krucker
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Im Rampenlicht: Rauhaardackel Pola geniesst die Aufmerksamkeit.

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Apéro im Atelier: Das Sofa wird auch für Sitzungen mit Kund*innen genutzt; der Raum fliesst mit Ulrikes Arbeitszimmer harmonisch zusammen. (Hocker: Polspotten; Kerzenhalter und Vase: Urban Nature Culture; Kissenbezüge: Proflax)

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Essbereich: Von Wohnzimmer und offener Küche ist es ein fliessender Übergang ins Esszimmer. (Olivenöl: Nobleza del Sur; Schneidebrett: Kuhn Rikon; Vase: Urban Nature Culture; Hundenapf: duepuntootto)

Haben Sie ein Lieblingswohnobjekt?

UK: Ich bin nicht so der Konsummensch, und 95 Prozent unserer Einrichtung sind Funde aus dem Brockenhaus oder von Flohmärkten. Eigentlich sind wir immer auf der Suche nach Wohnschätzen.

Wie beschreiben Sie Ihren Stil? 

UK: Ich habe einen Stil mit Ecken und Kanten und erfreue mich an Patina. Ich finde es schön, wenn Dinge bereits Kratzer bzw. ein Vorleben haben, mir gefällt überhaupt nicht, wenn alles neu und makellos ist. Möbel dürfen bei mir einen Kontrast reinbringen oder einen Stilbruch erzeugen.

Sie haben zuvor in der Werbung gearbeitet und hatten einen eigenen Kleiderladen, wie sind Sie zu Blüemlisex gekommen?

UK: Ich bin in Berlin aufgewachsen und habe dort Wirtschaftskommunikation studiert.

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Genuss: Für Gäste kocht Ulrike gerne gesund und auch gleich mehrere Gänge. (Läufer und Servietten: Proflax; Wassergläser: Riedel; Weingläser: Zalto; Geschirr: Serax)

«Ich mag es, wenn die Dinge bereits einen Kratzer haben, dieser total neue Look gefällt mir überhaupt nicht.»
ULRIKE KRUCKER
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Lieblingsstück: Das Ensemble von rosa Tisch und Stuhl hat Ulrike in einem Brocki im Glarnerland gefunden. (Kerzenhalter Paradiso: Urban Nature Culture)

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Rosa Traum: Das Badezimmer mit Dusche wurde von Ulrikes Mann eingebaut und sorgt für einen farblichen Kontrastpunkt in den Räumlichkeiten. (Naturseife: Weseta Switzerland; Seifenschale: Decor Walther; Natural Lotion: Soeder; Duschtücher und Teppich: Schlossberg)

Werbung gelandet. 15 Jahre bin ich von Werbeagentur zu Werbeagentur getingelt und habe als Konzepterin und Texterin in Berlin, Hamburg, München und Zürich gearbeitet. Den Job habe ich zwar lange gemacht, aber er hat mich nie erfüllt. Ich habe immer geschaut, dass ich nebenbei noch etwas «Echtes» machen kann. So habe ich in Zürich neben meiner Agenturarbeit mit einer Geschäftspartnerin noch einen Vintageladen betrieben. Irgendwann habe ich den Ausstieg aus der Agenturwelt geschafft, und ich denke, wenn man erst mal selbstbestimmt arbeitet, dann ändert sich
auch der Blick auf vieles andere. In der Pandemie habe ich das Gärtnern und meine Liebe zu den Blumen entdeckt. Das war nie geplant, das kam ganz organisch. Blüemlisex ist also während der Pandemie entstanden? 

UK: Ja, das Kleidergeschäft hatte ich zum Glück ein halbes Jahr vorher abgestossen und hatte Raum für was Neues. Wir kamen 2020 zu einer Schrebergartenparzelle, und wenig später bin ich auf die Slow-Flower-Bewegung gestossen, und dann kam eines zum anderen. 

Und jetzt haben Sie sogar ein Bauernhaus auf dem Land ...

UK: Ja, ich hatte für zwei Jahre einen kleinen Garten von meinem Schwager, wo ich mit den Blumen experimentartig starten konnte; aber im letzten Herbst haben wir dann etwas Eigenes gefunden: ein altes Bauernhaus mit viel Umschwung im Thurgau. Und da sind wir jetzt gerade dabei, die Beete neu anzulegen und das Haus umzubauen. 

Wo fühlen Sie sich wohler – in der Stadt oder auf dem Land? 

UK: Trotz meiner Grossstadtwurzeln bin ich ein Landmensch, da habe ich auch meine geliebte Ruh

Woher kommt Ihr Blumen-Wissen?

UK: Ich musste es mir aneignen, obwohl ich im Schrebergarten sofort gemerkt habe, wie unerwartet vertraut mir eigentlich alles war. Meine Grosseltern hatten eine Gärtnerei in Sachsen und die anderen Grosseltern einen grossen Garten vor Berlin, wo sie auch alles selber angepflanzt haben. Ich kann mich noch genau erinnern, wie mein Opa stundenweise Sämlinge pikiert und in Töpfe gezügelt hat. Die Erinnerung war ganz plötzlich wieder da, und obwohl mir vieles vertraut war, musste ich es mir doch komplett neu beibringen.

Was ist Ihre Lieblingsblume?

UK: Das ändert sich von Saison zu Saison. Zurzeit liebe ich Dahlien sehr, sie sind unermüdlich. Man denkt meistens an die 08/15-Sorten von den Selbstbedienungsfeldern, dabei gibt es eine riesige Vielfalt an Farben und Formen.

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Schlicht und gemütlich: Der Schlafbereich wird durch eine Schiebetür vom Rest des Ateliers getrennt. (Duvet- und Kissenbezüge: Christian Fischbacher; Hocker: Polspotten; Plaid: Eskimo; Handcreme: Aesop)